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26.05.2012 |

Italien droht mit Euro-Austritt

Bundesregierung soll unter Druck gesetzt werden

Italiens Regierungschef Mario Monti droht hinter den Kulissen mit einem Austritt seines Landes aus der Europäischen Währungsunion (EWU). Dadurch will Rom Druck auf die deutsche Bundesregierung ausüben, damit die der Einführung gemeinsamer europäischer Staatsanleihen zustimmt. Kanzlerin Merkel wehrt sich zu Recht gegen solche Euro-Bonds. Denn Euro-Bonds würden die Währungsunion endgültig in eine Haftungsgemeinschaft verwandeln, in der Deutschlands Steuerbürger mit dauerhaften Transferzahlungen für die Schulden anderer Staaten aufkommen müssten. Zudem würden gemeinsame Schuldverschreibungen hierzulande zu einem deutlichen Anstieg der Zinsen führen, was die Kreditkosten für die öffentliche Hand in die Höhe schnellen ließe. Für viele defizitäre deutsche Kommunen bedeuteten steigende Zinslasten den finanziellen Ruin. Um das zu verhindern, müsste wiederum der deutsche Steuerzahler einspringen.

Um seiner Drohung Nachdruck zu verleihen, weist Monti auf die angeblich großen Schäden hin, die eine Rückkehr Italiens zur eigenen Währung für die deutsche Wirtschaft hätte. Doch dieses Argument steht auf wackeligen Beinen. Zunächst einmal wäre es das südeuropäische Land selbst, das bei einer Wiedereinführung der Lira erhebliche Nachteile in Kauf nehmen müsste. Denn die Lira würde der ökonomischen Leistungsfähigkeit Italiens folgend gegenüber anderen Währungen wie dem Dollar stark abwerten, was die Importe von Rohstoffen drastisch verteuerte. Das gilt insbesondere für fossile Brennstoffe wie Öl und Gas. Leidtragende wären sowohl Unternehmen als auch private Verbraucher. Ob umgekehrt die deutsche Exportwirtschaft wegen der dann für italienische Abnehmer höheren Kosten weniger Produkte in Italien verkaufen könnte, steht dagegen in den Sternen. Denn deutsche Waren und Dienstleistungen finden nicht wegen ihres Preises Abnehmer auf der ganzen Welt, sondern weil sie innovativ sind und eine hohe Qualität aufweisen. Aus eben diesem Grund würden auch die Folgen einer Rückkehr Deutschlands zur D-Mark ökonomisch sehr viel weniger gravierend sein, als das von Euro-Befürwortern behauptet wird.